Bienenprodukte: 8 wichtige Produkte – was Imker produzieren können und was sich wirklich lohnt
Imkerei wird oft ausschließlich mit Honig gleichgesetzt. In Wirklichkeit produzieren Bienen jedoch eine ganze Reihe wertvoller Produkte, von denen jedes seinen eigenen Markt, seine eigene Wirtschaftlichkeit und seinen eigenen Einfluss auf das Bienenvolk hat.
Für Anfänger ist es wichtig zu wissen, welche Produkte realistisch und sicher produziert werden können. Für erfahrene Imker stellt sich eher die Frage, wie sich die Produktion optimieren lässt, ohne die Völker zu schwächen. Entscheidend ist dabei die Erkenntnis:
Nicht alle Bienenprodukte lassen sich gleichzeitig in vollem Umfang erzeugen.
Ein klarer Fokus ist der Schlüssel zu nachhaltigem Erfolg.
1. Honig – die Basis der Imkerei
Honig bleibt für die meisten Imker die wichtigste Grundlage, weil er planbar ist und sich relativ effizient vermarkten lässt. Entscheidend ist weniger die Sorte, sondern Standort, Trachtverlauf und Wetter im Jahresverlauf. Wer konstant gute Qualität liefert und sauber abfüllt, kann sich über Stammkunden und bessere Preise freuen. Gleichzeitig gilt: Je stärker der Fokus auf Honig, desto weniger Spielraum bleibt für Ableger und Königinnen.
Die Art des Honigs hängt nicht von der Beute, sondern vor allem ab von:
-
der umliegenden Vegetation
-
dem Standort des Bienenstandes
-
der Jahreszeit und den Witterungsbedingungen
Marktpreise:
- 6–10 € / 500 g
-
Direktvermarktung: hohe Wertschöpfung
-
Großhandel: deutlich geringere Margen
Herstellung:
-
starke, gesunde Völker
-
rechtzeitiges Aufsetzen der Honigräume
-
Schleudern von verdeckeltem, reifem Honig
Benötigte Ausrüstung:
-
Honigräume
-
Honigschleuder
-
Entdeckelungswerkzeug
-
Siebe und Abfüllbehälter
Einfluss auf andere Produkte:
-
Maximale Honigproduktion bedeutet:
-
weniger Ableger
-
weniger Königinnen
-
-
Gut kombinierbar mit:
-
Wachs
-
Propolis
-
-
Nur eingeschränkt kombinierbar mit Pollen
2. Bienenwachs – ein natürlicher Nebenprodukt
Wachs ist für viele Imker der „stille Wert“ im Hintergrund: Es fällt automatisch an, wird aber oft unterschätzt. Gerade Entdeckelungswachs und Altwaben haben wirtschaftliches Potenzial, wenn man es sauber trennt und ordentlich einschmilzt. Wer regelmäßig Wachs aufarbeitet, spart langfristig auch bei Mittelwänden oder kann zusätzliche Einnahmen erzielen. Wichtig ist dabei Hygiene und eine klare Trennung von sauberem und dunklem Wachs.
Marktpreise:
-
Rohwachs: 10–15 € / kg
-
Verarbeitet (z. B. Mittelwände): deutlich höherer Wert
Herstellung:
-
Einschmelzen alter Waben
-
Sammeln von Entdeckelungswachs
Ausrüstung:
-
Wachsschmelzer (solar, Dampf oder elektrisch)
-
Behälter und Formen
Einfluss:
-
Keine zusätzliche Belastung für das Volk
-
Immer mit anderen Produkten kombinierbar
3. Pollen – wertvoll, aber sensibel
Pollen ist ein hochwertiges Produkt – aber im Gegensatz zu Wachs nicht „gratis“. Man greift direkt in die Eiweißversorgung der Bienen ein, und das kann die Entwicklung bremsen, wenn man zu viel entnimmt. Deshalb ist Pollenproduktion vor allem eine Frage von Timing, Volksstärke und konsequenter Kontrolle. Wer es richtig macht, kann Pollen zeitlich begrenzt ernten, ohne die Völker zu schwächen – wer es übertreibt, bezahlt mit weniger Brut und weniger Honig.
Marktpreise:
-
20–35 € / kg, abhängig von Qualität und Aufbereitung
Herstellung:
-
Einsatz von Pollensammlern am Flugloch
-
Pollen wird beim Einflug von den Beinen der Bienen abgestreift
(hier kann sinnvoll ein Link zum Pollensammler im Shop eingefügt werden)
Ausrüstung:
-
Pollensammler
-
Sammelbehälter
-
Trocknungs- und Lagermöglichkeiten
Wichtiger Hinweis:
❗ Zu viel Pollenentnahme schwächt das Bienenvolk
Mögliche Folgen:
-
schlechtere Brutentwicklung
-
langsamere Frühjahrsentwicklung
-
geringerer Honigertrag
Pollen sollte daher:
-
nur zeitlich begrenzt
-
nur bei sehr starken Völkern
-
unter ständiger Kontrolle geerntet werden
In der Praxis hat sich besonders eine Bodenlösung mit integriertem, herausnehmbarem Pollensammler bewährt. Der große Vorteil liegt darin, dass der Sammler nur bei Bedarf eingesetzt und jederzeit wieder entfernt werden kann. So bleibt die Kontrolle über die Pollenernte erhalten, ohne die Entwicklung des Bienenvolkes dauerhaft zu beeinträchtigen.
4. Propolis – geringe Menge, hoher Wert
Propolis ist aus Sicht der Bienen eine Art natürlicher Schutzlack – und für Imker ein Produkt mit hoher Wertschöpfung bei relativ geringem Aufwand. Mit Propolisgittern lässt sich die Ernte sauberer und einfacher gestalten, als wenn man nur abkratzt. Wichtig ist, Propolis trocken und sauber zu lagern, damit es später gut verarbeitet werden kann. Der Vorteil: Propolis lässt sich meist parallel zur Honigproduktion gewinnen, ohne große Zielkonflikte.
Marktpreise:
-
80–150 € / kg (roh)
-
deutlich höhere Erlöse bei Weiterverarbeitung
Herstellung:
-
Einsatz von Propolisgittern
-
Entnahme durch Abkratzen oder Einfrieren
Ausrüstung:
-
Propolisgitter
-
Gefriertruhe
-
Schaber
Einfluss:
-
Kaum Belastung für das Volk
-
Sehr gut mit Honig kombinierbar
5. Gelée Royale – hohe Preise, hohe Anforderungen
Gelée Royale klingt für viele Imker attraktiv, weil die Marktpreise hoch sind – in der Praxis ist es jedoch eine der anspruchsvollsten Produktionen. Man braucht sehr starke Völker, sauberes Arbeiten und einen gut getakteten Ablauf, sonst stimmt die Qualität nicht oder die Ausbeute ist zu gering. Außerdem steht Gelée Royale fast immer in Konkurrenz zur Honigleistung, weil man die Völker anders führen muss. Deshalb lohnt es sich vor allem für Imker, die bewusst auf diese Nische setzen.
Marktpreise:
-
2.000–4.000 € / kg (Endkundenpreise)
Herstellung:
-
gezielte Königinnenaufzucht
-
manuelle Entnahme aus Weiselzellen
-
hohe hygienische Anforderungen
Ausrüstung:
-
Starter- und Finisher-Völker
-
Weiselbecher
-
Spezialwerkzeuge
-
Kühltechnik
Einfluss:
-
Starke Belastung der Völker
-
Deutlich geringerer Honigertrag
-
Kaum mit anderen Produkten kombinierbar
6. Ableger und neue Völker – Bienen statt Honig
Ablegerproduktion ist eine eigene Strategie: Man „investiert“ Bienenmasse in neue Einheiten, statt sie komplett in Honig umzuwandeln. Das kann wirtschaftlich sehr sinnvoll sein, vor allem bei hoher Nachfrage und wenn man Königinnen verfügbar hat. Gleichzeitig ist es die klarste Regel in der Imkerei: Mehr Ableger bedeuten fast immer weniger Honig. Wer beides will, braucht starke Ausgangsvölker und eine sehr gute Trachtplanung.
Marktpreise:
-
120–200 € pro Volk, abhängig von Stärke und Zeitpunkt
Herstellung:
-
Teilen starker Völker
-
Bildung von Ablegern
-
Zusetzen von Königinnen oder Weiselzellen
Ausrüstung:
-
Ablegerkästen
-
zusätzliche Rähmchen
-
Königinnen
Zentrale Regel:
➡️ Mehr Ableger = weniger Honig
7. Königinnen – spezialisierte Imkerei
Königinnenproduktion ist weniger „Produkt“ und mehr Zuchtarbeit. Sie erfordert Planung, Material und Erfahrung, bringt aber einen hohen Mehrwert – für eigene Ableger oder für den Verkauf. Sobald man Königinnen selbst zuverlässig zieht, wird die gesamte Betriebsweise flexibler. Gerade in Kombination mit Ablegern ist das oft der nächste logische Schritt.
Marktpreise:
-
25–45 € pro begatteter Königin
-
Zuchtlinien deutlich teurer
Herstellung:
-
gezielte Zuchtplanung
-
Begattungseinheiten
-
Selektion und Kennzeichnung
Ausrüstung:
-
Begattungskästchen
-
Absperrgitter
-
Zeichenwerkzeug
Einfluss:
-
Reduzierte Honigleistung
-
Gut kombinierbar mit Ablegerbildung
8. Bienengift – seltene Nischenproduktion
Bienengift ist eine echte Nische und wird meist nicht direkt an Endkunden verkauft. In der Praxis sind es vor allem pharmazeutische oder kosmetische Unternehmen, die als Abnehmer auftreten, häufig mit klaren Anforderungen an Qualität und Dokumentation. Wer hier einsteigen möchte, sollte sich vorher über rechtliche Rahmenbedingungen und sichere Verfahren informieren. Für die meisten Imker bleibt es daher eine Spezialproduktion – aber eine mit potenziell hoher Wertschöpfung.
Besonderheit:
➡️ Bienengift wird in der Regel nicht an Endkunden verkauft, sondern von:
-
pharmazeutischen Unternehmen
-
kosmetischen Herstellern
aufgekauft.
Herstellung:
-
spezielle elektrische Sammelgeräte
-
ohne Tötung der Bienen
Einfluss:
-
hoher Stress für die Völker
-
nur für spezialisierte Betriebe geeignet
Bienenprodukte in der Praxis – was produzieren die meisten Imker tatsächlich?
In der Praxis produzieren die meisten Imker:
-
Honig
-
Wachs
-
gelegentlich Propolis
Ein kleinerer Teil:
-
Ableger
-
Königinnen
Nur wenige:
-
Pollen
-
Gelée Royale
-
Bienengift
Fazit – klare Prioritäten führen zum Erfolg
Imkerei bedeutet Entscheidungen zu treffen:
-
Fokus auf Honig → starke Wirtschaftsvölker
-
Fokus auf Ableger & Königinnen → geringerer Honigertrag
-
Zu viel Pollenentnahme → schwächere Völker
Die erfolgreichsten Imker:
-
wählen eine klare Strategie
-
passen ihre Betriebsweise an
-
und versuchen nicht, alles gleichzeitig zu produzieren
Die Wahl der passenden Beute und des richtigen Maßes spielt dabei ebenfalls eine wichtige Rolle, insbesondere für Anfänger.
Weitere allgemeine Informationen zur Imkerei und zu Bienenprodukten bietet auch der Deutsche Imkerbund.







